atrophische Vaginitis führt zu Schmerzen beim Sex

Atrophische Vaginitis – Machen Hormone den Sex für Dich weniger genießbar?

Frauen berichten häufig, dass sie beim Sex Schmerzen haben. Sie können in verschiedenen Lebensabschnitten auftreten, aber aus demselben Grund. Kennst Du den Grund?

Östrogen! Oder ein Mangel daran.

Wie sich Hormone auf das Sexualleben auswirken

Das Gewebe, das den Scheideneingang umgibt, und das Gewebe der Vulva sind stark östrogenabhängig. Das heißt, sie lieben Östrogen, und sie haben tonnenweise kleine Hormonrezeptoren im Gewebe, die an Östrogen binden. Östrogen trägt dazu bei, dass das Gewebe robust, prall, geschmeidig und weich ist. Wenn nicht genügend Östrogen im Umlauf ist, können sich die Rezeptoren nicht an das Gewebe binden.

Die Schamlippen werden dünner, trockener und brüchiger, und die Vaginalöffnung und der Vaginalkanal können „verkümmern“, d. h. kleiner werden. Dies führt zu mehr Trockenheit, Juckreiz und Schmerzen, wenn etwas in den Vaginalkanal eindringen will. In der Medizin wird dies als atrophische Vaginitis oder vaginale Atrophie bezeichnet. Es kann dabei sogar zu Mikrorissen im Gewebe kommen, wenn es versucht, einen Penis oder etwas anderes im Kanal unterzubringen. Zu den Symptomen der atrophischen Vaginitis gehören Dyspareunie (Schmerzen), Trockenheit, veränderter vaginaler pH-Wert sowie Veränderungen beim Urinieren und im Genitalbereich.

Der Rückgang des Östrogenspiegels nach der Menopause ist eine der Hauptursachen für diese Symptome. Die atrophische Vaginitis hat potenziell negative Auswirkungen auf die Lebensqualität und kann mit Folgeerkrankungen wie vermehrten Harnwegsinfektionen in Verbindung gebracht werden.

Wie kommt es zum Absinken des Östrogenspiegels?

Wie kommt es also dazu? Es gibt zwei häufige Ursachen: das Stillen und die Menopause.

Stillende Frauen haben in der Regel keine regelmäßige Periode, da der Körper versucht, den Eisprung zu unterdrücken, damit Sie nicht wieder schwanger werden können. (Achtung: Du kannst auch schwanger werden, wenn Du stillst und keine Periode hast!) Die Aufgabe des Körpers ist es, Milch zu produzieren, um das Baby zu ernähren, und nicht, schnell wieder schwanger zu werden.

Deshalb haben die meisten Mütter mit einem Baby ein ähnliches Vaginalgewebe wie Frauen in den Wechseljahren: Atrophie, Trockenheit, Schmerzen, blasse Farbe, weniger Gleitfähigkeit und dünneres, brüchigeres Gewebe. In einer Studie mit 832 Erstgebärenden berichtete fast die Hälfte der Frauen (46,3 %) über mangelndes Interesse an sexuellen Aktivitäten, 43 % über fehlendes Scheidensekret, und 37,5 % der Frauen hatten sechs Monate nach der Geburt Dyspareunie (schmerzhaften Sex).

Das Gleiche gilt für die Menopause. Die Menopause ist das Ende des Menstruationszyklus und es findet kein Eisprung mehr statt. Östrogen treibt den Eisprung an und wenn Östrogen abnimmt und der Eisprung ausbleibt, hat dies Folgen für den weiblichen Körper. Wenn aufgrund der Menopause kein Östrogen mehr durch den Körper fließt, sind die Gewebe der Vulva und der Vagina betroffen. Tatsächlich berichten zwischen 17 und 45 % der Frauen nach der Menopause über schmerzhaften Geschlechtsverkehr. Atrophische Vaginitis tritt bei etwa 45 % der Frauen nach der Menopause auf, wie Untersuchungen zur Dyspareunie zeigen.

Was kann man dagegen tun?

1. Suche einen Physiotherapeuten für den Beckenboden auf

Physiotherapeuten können Dir helfen, die Schmerzen zu lindern, Dir spezielle Übungen zur Entspannung der Beckenboden- und Vaginalmuskulatur zeigen und Dir dabei helfen, zu einem Sexualleben zurückzukehren, das Du genießt, unabhängig davon, wo Du in Deinem Leben stehst. Hormone spielen eine Rolle, aber auch Funktionsstörungen und Verspannungen der Beckenbodenmuskulatur können eine Ursache sein, denn alles muss angesprochen werden und richtig funktionieren.

2. Ziehe Östrogen-Cremes in Betracht

Sprich mit Deinem Arzt, um herauszufinden, ob die Anwendung von Östrogenen für Dich eine Option ist. Manchmal kann eine kleine Menge einer Östrogencreme, die auf die Vulva und den Scheideneingang aufgetragen wird, einen großen Unterschied machen. Dadurch wird das Gewebe etwas praller, robuster und gleitfähiger.

3. Verwende Gleitmittel

Versuche es mit einem hochwertigen Gleitmittel auf Wasserbasis oder Kokosöl als Gleitmittel und trage es auf die Außenseite des Vaginalkanals auf. Wenn Dein Partner, Dein Vibrator oder Deine Liebeskugeln in die Vagina eindringt, trage es auch im Inneren der Vagina auf. Trage das Gleitmittel während des gesamten Vorgangs je nach Bedarf reichlich nach. Man kann nie zu viel Gleitmittel verwenden!

4. Ziehe Feuchtigkeitscremes in Betracht

Es gibt einige frei verkäufliche Produkte, die nicht auf Hormonbasis hergestellt werden und die Haut an der Außenseite der Vulva befeuchten und weicher machen. Es gibt auch einige, die innerlich angewendet werden können. Luvena ist ein freiverkäufliches Zäpfchen, das speziell für Frauen nach der Menopause entwickelt wurde und die Haut befeuchtet. Weitere Möglichkeiten sind Kokosnussöl und Aquaphor, die äußerlich aufgetragen werden, um das Gewebe zu schützen.

Fazit

Denke daran: Wenn Du beim Sex Schmerzen hast, ist das zwar häufig, aber nicht normal, und Du musst nicht damit leben. Bitte Deinen Gynäkologen um eine Überweisung zu einem Beckenbodentraining, probiere hochwertige Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes aus und stelle ein Programm auf, das Dir hilft, das Leben zu führen, das Du führen möchtest.

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